Donnerstag, 5. November 2015

Meine Chemo-Therapie

Der November ist für mich auch immer der Monat, der mich an meine Chemo zurückdenken lässt. In den Herbstferien vor genau vier Jahren, am 03.11.2011, begann ich meine Chemotherapie. Eine Zeit, an die ich mich nicht gerne erinnere. 
  
Im Nachhinein betrachtet war das Timing für den Beginn der Chemo ungünstig, der November macht mich so schon häufig melancholisch und leicht depressiv.
  
Ich hatte, immer im Anstand von drei Wochen, erst drei Sitzungen mit der Dreier-Kombi aus Epirubicin, Cisplatin und 5-Fluoruracil, dann drei Sitzungen mit Taxotere oder Docetaxel. Alle habe ich ambulant hier im Facharztzentrum des Klinikum Konstanz gemacht. Ich hatte die Termine jeweils so gelegt, dass der Liebste sich freinehmen und mich begleiten konnte.
Dazusitzen und zu beobachten, wie diese Beutel mit Zytostatika in meine Venen liefen, fand ich schrecklich. Ich hatte mir zur Verabreichung der Zytostatika, auf anraten der Ärzte, vorher einen Port unter die Haut unterhalb des Schlüsselbeins einlegen lassen, der als kleine Erhebung erkennbar war.
   
Der erste Termin war der schlimmste, denn schon in der Klinik hatte ich massive Kreislaufprobleme und mir war so übel, wie ich es noch nicht erlebt hatte. Während der 15 Minuten-Heimfahrt hing ich auf dem Autositz mit offenem Fenster und dachte, ich sterbe.
In der Nacht rebellierte mein Magen dann endgültig gegen den Giftcocktail und ich musste mich alle halbe Stunde übergeben. Danach sackte ich jedesmal vor dem offenen Fenster auf den kühlen Fliesenboden und blieb liegen, bis ich mich wieder ins Bett schleppen könnte.
  
In den nächsten Tagen fühlte ich mich sehr kraftlos, die Treppe rauf und runter zu kommen, war schon eine große Herausforderung. 
An den ganz schlimmen Tagen kam eine Familienpflegerin ins Haus, die sich um Kinder und Haushalt kümmerte.
Zwei Wochen nach diesem ersten Termin begannen mir dann auch die Haare auszufallen. 
  
Bei den nächsten Malen habe ich mich anders auf die Chemo-Sitzung vorbereitet, d.h. ich habe vorher alle nur möglichen Medikamente gegen Übelkeit und Brechreiz genommen.

Die drei sich daran anschließenden Sitzungen mit Taxotere habe ich anders erlebt als die ersten drei mit ECF. Das Taxotere verursachte keine Übelkeit und in den ersten zwei Tagen danach fühlte ich mich normal. Am dritten Tag gingen die Schmerzen in den Muskeln los, die ein paar Tage anhielten. Dagegen nahm ich Schmerzmittel, wenn es mir zuviel wurde.
Die schlimmste Nebenwirkung für mich bei diesem Zytostatika war aber der Verlust des Geschmacks. Ich konnte irgendwann so gut wie nichts mehr schmecken. Und trotzdem hatte ich Hunger und musste etwas essen, brachte aber nichts runter. Ich ernährte mich nachher fast nur von kräftig gewürzten Kartoffelchips und Printen, die ich mir extra (die Weihnachtszeit war vorbei) in Aachen bestellt hatte. Die Beeinträchtigung des Geschmacksinns hielt noch einige Monate nach der Chemo an.

Während der ganzen Chemozeit hatte ich keine Motivation mehr, das Haus zu verlassen, die Tage zogen sich wie Kaugummi. Der kleine Bruder (damals vier Jahre alt) war immer bei mir zu Hause, denn aus Angst vor Ansteckung hatte ich ihn in der ganzen Zeit nicht in die Kita gelassen. 
Leider sackten meine Leukos trotzdem jedesmal so in den Keller, dass ich die ekligen Aufbauspritzen brauchte. Außerdem sollte ich jedesmal als Prophylaxe starke Antibiotika nehmen.

Das Ganze zog sich bis in den Februar.
Schon bald danach habe ich mit den Port wieder entfernen lassen. Da ich das Teil immer als unangenehmen Fremdkörper empfunden hatte, konnte ich es auch nicht, wie Andere, einfach drinlassen und "vergessen".
    
Ich habe im Anschluss an die Chemo noch eine Bestrahlung gehabt. Ich habe keine Reha gemacht, ich wollte es nicht. Stattdessen bin ich in diesem Sommer mit meiner Familie an die Côte d'Azur gefahren. In dem Sommer begann ich auch mein Blog zu schreiben. 

September 12 an der Cote d`Azur:
Sie wachsen wieder:-)

Kommentare:

  1. Liebe Gina, du bist eine sehr starke Frau, ich bewundere dich sehr und freu mich dass du wieder gesund geworden bist. Deine Familie hat dir bestimmt auch viel Kraft gegeben.

    Alles Gute weiterhin!

    Andrea

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  2. Liebe Gina,
    ich kenne mittlerweile so viele Frauen mit Brust- und anderem Krebs. Ein furchtbares Monster ist das. Ich wünsche dir weiterhin alles Gute auf dem Wege des Gesundbleibens.
    Liebe Grüße.

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  3. Liebe Gina, ich sitze hier still und stumm, erschüttert und frage mich immer, wie ein Mensch, eine Mutter mit kleinen Kindern das durchstehen kann. Nahezu übermenschlich kommt es mir vor. ( Und ich kann mir das für mich nicht vorstellen, das ich das durchstehen würde.) Und irgendwie habe ich den Wunsch, dich zu beschützen, zu behüten, auf dich aufzupassen, weil ich finde, dir solle nicht noch mehr Leid widerfahren. ( Leider wird es nur bei einer Kerze im Dom bleiben.)
    Ich wünsche dir und deinen Lieben von Herzen alles, alles Gute!
    Astrid

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  4. Liebe Gina,
    als ich eben deine Geschichte las, habe ich gedacht wie stark du bist und was du alles bisjetzt mitgemacht hast. Ich freue mich sehr, dass du diese Krankheit überwunden hast und wieder gesund bist. Auf dem Foto strahlst du eine sehr einnehmende, positive Energie aus. Ich drücke dich.
    Liebe Grüße
    Papatya

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  5. liebe Gina, dein lächel auf der Côte d'Azur ist bezaubert nach all die kraft die du in dir mit deiner familie und umgebung brauchtest um wieder das leben voll zu geniessen ! danke, dein bericht kann sicherlich allen helfen !
    ganz liebe grüsse
    Monique

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  6. Wenn ich das lese, kommt die Zeit wieder ins Bewusstsein in der ich als Jugendliche miterlebte wie meine Mutter Krebs hatte. Schrecklich! Erst Chemo, dann Bestrahlung, die Ärzte wollten sie dann auch in die Reha schicken. Sie jedoch meinte damals, sie müsse jetzt mal wieder etwas arbeiten und einen normalen Alltag langsam wieder erleben und bewältigen. Sie fuhr auch nicht und erholte sich nach und nach zuhause.
    Ich wünsche Dir, dass Deine Nachsorge-Termine alle positiv verlaufen.
    Alles Gute

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  7. Liebe Gina, alles was ich lese kommt mir so bekannt vor, aber nur vom Zusehen. Meine Mama kämpft seit 12 Jahren. Ich kann erahnen was es für dich bedeutet. Viele liebe Grüße!

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  8. Ich denke an dich.
    Du bist so stark - ich finde es beeindruckend, wie du das Leben meisterst.
    Vielen Dank, dass ich daran durch deinen Blog teilhaben darf.
    Liebe Grüße aus dem kleinen Haus am See

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  9. Liebe Gina,
    danke für den Post. Du hast wirklich auch schon eine Menge mitgemacht.
    Meine Mutter ist ja leider an Brustkrebs gestorben, sie hat sich allerdings nicht behandeln lassen.
    Die neue Frau meines Vaters hat jetzt auch Krebs. Gerade vorhin telefonierte ich mit ihr,
    sie bekommt ab Montag Chemo.
    Ich wünsch dir weiterhin alles Liebe und Gute!!
    LG von Ann

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  10. Liebe Gina,
    ich hatte dir eben auch kommentiert aber seltsamerweise ist anscheinend nichts gespeichert. Komisch. Du hast ja auch so eine schöne Laubkrone gemacht. Die sind wirklich toll für Kinder. Ich wünsche dir von Herzen, dass der Krebs niemals wieder kommt und dich für alle Zeiten in Ruhe lässt.
    Liebe Grüße,
    Ute

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  11. Liebe Gina,

    dass liest sich fast wie meine Geschichte. Aber hinsichtlich Übelkeit und Nebenwirkungen ist es mir wohl besser ergangen. Ich hatte um die Aufbauspritzen gebeten, damit ich alle zwei Wochen zur Infusion konnte. Das war schmerzhaft, aber ich wollte schnell dadurch. Ich war so froh, dass ich meinen 3-jährigen zum Kiga bringen konnte und mit ihm Nachmittags durch den Wald streifen und Eis essen konnte. Im Krankenhaus hat man sich fast ein wenig gewundert, dass ich gerade bei der EC so munter in der Gegend rumsprang. Heute glaube ich das war allein mein Dickkopf der das wollte. Die Reha habe ich dann ambulant gemacht, da ich nicht ohne meinen Sohn sein wollte. Heute bremsen mich das Tam und die langfristigen Nebenwirkungen ein wenig aus, aber der Kopf ist immer noch stur :-). Ich wünsche dir weiterhin alles Liebe und Gute!

    Liebe Grüße

    Simone

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  12. Liebe Gina,
    mir war nicht bewusst, welchen Leidensweg du im November vor vier Jahren gehen musstest. Danke für deine Offenheit. Umso mehr bewundere ich deine Kraft, Energie und Lebensfreude, die aus allen Posts in deinem Blog strömt.
    Alles Liebe und Gottes Segen, Heike

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  13. Liebe Gina, ich bin gerade sehr berührt, um es mit Andreas Worten zu sagen, du bist eine sehr starke Frau... Ich freue mich sehr, dass du diese schlimme Zeit überwinden konntest und die Kraft hattest, wieder gesund zu werden. Ich verstehe auch deinen Wunsch, auf die Reha zu verzichten und statt dessen mit der Familie in die Sonne fahren. Das hat der Seele sicher gut getan. Von Ärzten und Krankenhäusern hat man irgendwann genug.
    Alles Liebe
    Bianca

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  14. Liebe Gina, ich lese ja erst ein kurzes Weilchen auf deinem Blog mit. Heute Abend findest du mich still und nachdenklich...
    Hab vielen Dank für deine Offenheit und dein Berichten es kann so viele sensibler machen, was es heißen kann an Krebs erkrankt zu sein.
    Und wie schön, dass wir nun so oft von dir in deinem Alltag heute lesen können und hören wie gut es dir nun geht.

    Liebe Grüße am Freitag Abend sendet dir
    Christine

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  15. Liebe Gina,
    Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es dir damals gegangen ist. Nicht nur wegen der Übelkeit, Schmerzen und sonstigen körperlichen Beeinträchtigungen, sondern auch die Angst, die doch sicher immer da war.
    Ich hoffe, es geht dir weiterhin gut und du musst sowas Schreckliches nicht nochmal durchmachen. Alles Liebe Babsy

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